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Wer kurzsichtig ist, hat Probleme mit dem Sehen in der Ferne.

Kurzsichtig: Ursachen, Symptome & Korrektur von Kurzsichtigkeit (Myopie)

Lesen ist ohne Brille möglich, aber weiter entfernte Gegenstände und Personen wirken unscharf? Dann liegt vermutlich eine Kurzsichtigkeit vor – eine Form der Fehlsichtigkeit, die bereits Milliarden von Menschen betrifft und deren Verbreitung weiter zunimmt. Dabei werden Objekte in der Ferne unscharf gesehen.


Experten zufolge ist derzeit etwa ein Drittel der weltweiten Bevölkerung kurzsichtig, bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf etwa 50 % erwartet. Damit könnte in nicht allzu ferner Zukunft bereits jeder zweite Mensch betroffen sein. Grund genug, genauer hinzusehen: Was genau ist Kurzsichtigkeit, welche Ursachen stecken dahinter und welche Möglichkeiten zur Behandlung und Korrektur gibt es?

Was ist Kurzsichtigkeit? Myopie einfach erklärt

Kurzsichtigkeit ist eine Art der Fehlsichtigkeit. Weiter Entferntes erscheint verschwommen, während scharfes Sehen in der Nähe problemlos möglich ist – man sieht auf kurze Distanzen gut, ist also kurzsichtig.


In der medizinischen Fachsprache wird Kurzsichtigkeit als Myopie bezeichnet. Dieser Begriff geht auf die altgriechischen Wörter μύειν (mýein) = „schließen“, „zukneifen“ sowie ὤψ / ὀπός (ōps / opós) = „Auge“, „Sehen“, „Blick“ zurück. Somit findet sich ein häufiges Symptom bereits im Namen: Oft kneifen Kurzsichtige ohne Sehhilfe die Augen zu, um weiter Entferntes besser sehen zu können.

Kurzsichtig vs. weitsichtig – was ist der Unterschied?

Das Gegenteil von Kurzsichtigkeit ist Weitsichtigkeit (Hyperopie/Hypermetropie). Weitsichtige Menschen können Objekte in der Ferne meist ohne Schwierigkeiten sehen, während Nahes verschwommen erscheint.


Die zwei Arten der Sehschwäche können auch in Kombination auftreten. Man kann auf einem Auge weitsichtig, auf dem anderen Auge kurzsichtig sein – in diesen Fällen haben die beiden Augen eine sehr unterschiedliche Brechkraft, was als Anisometropie bezeichnet wird.


Viele kurzsichtige Menschen bemerken, dass sie ab einem Alter von etwa 45 Jahren auch auf nahe Distanzen schlechter sehen. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern Teil des natürlichen Alterungsprozesses und keine Weitsichtigkeit im klassischen Sinne. Das Phänomen ist auf die abnehmende Elastizität der Linse zurückzuführen und wird als Alterssichtigkeit bezeichnet. Wenn zusätzlich dazu bereits eine Kurzsichtigkeit besteht, kann eine Gleitsichtbrille den Alltag deutlich erleichtern: Mit ihr sieht man auf alle Distanzen scharf, ohne die Brille wechseln zu müssen.

Kurzsichtiges Sehen: Unscharfes Schild in der Ferne verdeutlicht die nachlassende Sehschärfe.
Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit ist bei Weitsichtigkeit die Nahsicht unscharf, die Fernsicht aber scharf.

Typische Symptome im Überblick

Zu den typischen Anzeichen einer Kurzsichtigkeit gehören:


  • verschwommenes Sehen in der Ferne, während nahe Objekte problemlos wahrgenommen werden können
  • häufiges Zusammenkneifen der Augen und „angestrengtes“ Blickverhalten
  • Kopfschmerzen, besonders nach längerer Bildschirm- oder Autofahrzeit
  • schnelle Ermüdung der Augen

Ursachen der Kurzsichtigkeit

Bei einem kurzsichtigen Auge liegt der Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen vor statt auf der Netzhaut (Retina). Dadurch kommt es zu einer fehlerhaften Abbildung von weiter entfernten Objekten – sie werden verschwommen oder unscharf gesehen. Ursache ist meist ein zu langer Augapfel, eine zu starke Brechkraft von Hornhaut und/oder Linse, oder ein Zusammenspiel aus diesen Faktoren. Der Effekt ist aber der gleiche.

Achsenmyopie: Wenn der Augapfel zu lang ist

Die häufigste Ursache von Kurzsichtigkeit ist ein zu langer Augapfel. Schon kleine Abweichungen in der Länge des Augapfels können dazu führen, dass der Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen nicht mehr auf der Netzhaut, sondern davor liegt. Dadurch erscheinen weiter entfernte Objekte verschwommen.


Diese so genannte Achsenmyopie entwickelt sich meist in der Kindheit oder Jugend, wenn der Augapfel noch wächst. Folgende Faktoren können dabei eine Rolle spielen:


  • Genetische Veranlagung: Myopie tritt gehäuft in Familien auf. Ist ein Elternteil kurzsichtig, steigt das Risiko für das Kind deutlich. Sind beide Elternteile kurzsichtig, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für die Nachkommen weiter.
  • Viel Naharbeit: Bei Kindern, die viel Zeit mit so genannter Naharbeit (zum Beispiel beim Lesen oder am Smartphone) verbringen, passen die Augen die Linsen für das Sehen in der Nähe an. Diese langfristige Nahfokussierung führt zu biochemischen Signalen im Auge, die das Längenwachstum des Augapfels fördern. Das Auge gewöhnt sich an das Sehen auf kurze Distanz und wächst minimal in die Länge, um diesen Sehbedarf zu optimieren.
  • Zu wenig Tageslicht: Natürliches Tageslicht fördert in der Netzhaut die Ausschüttung von Dopamin – einem Botenstoff, der das übermäßige Längenwachstum des Augapfels hemmt. Verbringen Kinder wenig Zeit im Freien, kann das die Entstehung einer Achsenmyopie begünstigen.


Brechungsmyopie: Zu starke Brechkraft des Auges

Eine seltenere Ursache von Kurzsichtigkeit ist ein zu starker Brechwert des Auges. Bei einer sogenannten Brechungsmyopie ist der Augapfel normal lang. Allerdings brechen Hornhaut oder Linse das einfallende Licht zu stark, wodurch der Brennpunkt ebenfalls vor die Netzhaut verlagert wird.

Sehtest zur Feststellung einer Kurzsichtigkeit im Kindesalter.

Kurzsichtigkeit bei Kindern

Bei Kindern und Jugendlichen steigt die Häufigkeit von Kurzsichtigkeit stark an. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass junge Menschen zu viel Zeit vor Bildschirmen und zu wenig Zeit im Freien verbringen. Über ein Drittel der Kinder und Jugendlichen ist bereits kurzsichtig – Tendenz steigend. Bis 2050 könnten es weltweit an die 40% sein, wie eine im British Journal of Ophthalmology veröffentlichte Analyse aus dem Jahr 2024 zeigt.


Myopiekontrolle

Bei Kindern mit starker bzw. schnell fortschreitender Kurzsichtigkeit ist es wichtig, Maßnahmen zu setzen, die diese Entwicklung verlangsamen oder stoppen können. Das wird als Myopiekontrolle bezeichnet.


Dabei kommen zum Beispiel spezielle Kontaktlinsen oder Brillengläser zum Einsatz. Weitere Informationen dazu findest du hier im Überblick.


Unter gewissen Voraussetzungen ist auch die Behandlung mit niedrig dosierten Atropin-Tropfen eine Option: Diese werden in der Regel einmal täglich abends ins Auge gegeben und zielen darauf ab, das Längenwachstum des Augapfels zu hemmen. Eine solche Behandlung muss jedenfalls vom Augenarzt verordnet und begleitet werden.

Dioptrien und Schweregrade der Kurzsichtigkeit

Wie stark eine Kurzsichtigkeit ausgeprägt ist, zeigt ein Blick auf die Dioptrien: Diese Maßeinheit gibt an, wie stark eine Sehhilfe das Licht „entzerren“ muss, damit der Brennpunkt wieder korrekt auf der Netzhaut liegt.


Einteilung der Myopie/Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit wird, abhängig vom jeweiligen Dioptrienwert, in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt.


  • Leichte Myopie (ca. –0,5 bis –3,00 Dioptrien): Bei einer leichten Form der Kurzsichtigkeit sind entfernte Objekte verschwommen, während das Nahsehen in der Regel problemlos möglich ist. Viele Betroffene bemerken erste Schwierigkeiten z. B. beim Autofahren oder beim Erkennen von Straßenschildern.

  • Mittlere Myopie: (–3,25 bis –6,00 Dioptrien): In diesem Bereich sind Sehprobleme in der Ferne deutlich ausgeprägt. Ohne Sehhilfe wird der Alltag merklich beeinträchtigt.
  • Hohe Myopie (stärker als –6,00 Dioptrien): Eine Kurzsichtigkeit in diesem hohen Ausmaß gilt auch als relevanter Risikofaktor für verschiedene Folgeerkrankungen. Der Augapfel ist bei den Betroffenen oft stark verlängert, was unter anderem die Gefahr für Netzhautrisse, Netzhautablösungen, Makulopathien oder ein Glaukom erhöht. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind daher besonders wichtig, um rechtzeitig reagieren zu können.

Korrektur von Kurzsichtigkeit: Verschiebung des Brennpunkts auf die Netzhaut durch eine Konkavlinse.
Sehkorrektur bei Kurzsichtigkeit mit einer Brille
Sehkorrektur bei Kurzsichtigkeit mit Kontaktlinsen

Behandlung und Korrektur

Brille oder Kontaktlinsen

Brillen und Kontaktlinsen sind die klassischen und am weitesten verbreiteten Möglichkeiten, eine Kurzsichtigkeit zu korrigieren. Sie gleichen die Fehlsichtigkeit mit Gläsern bzw. Linsen in der jeweiligen Sehstärke aus, sodass der Brennpunkt wieder genau auf der Netzhaut liegt.


Ob eine Brille oder Kontaktlinsen besser für dich geeignet sind, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Grad der Sehschwäche und deinem Lebensstil ab. Für manche Personen ist die Brille ein modisches Accessoire, das sie nicht mehr missen möchten – anderen wiederum ist die Bewegungsfreiheit wichtig, die Linsen zum Beispiel beim Sport bieten.


Wenn du unsicher bist, welche Variante besser für dich geeignet ist, beraten dich unsere Meisteroptiker:innen gerne unverbindlich und zeigen dir die Optionen, die für deine individuellen Anforderungen in Frage kommen – einen Termin in einer sehen!wutscher-Filiale in deiner Nähe kannst du online unter diesem Link vereinbaren.

Laserbehandlung

Für Erwachsene, die stabile Dioptrien-Werte aufweisen, kann eine Laserbehandlung zur Dauerhaften Korrektur der Kurzsichtigkeit in Frage kommen. Verfahren wie LASIK, PRK oder SMILE verändern die Form der Hornhaut so, dass die Brechkraft des Auges wieder zum Brennpunkt auf der Netzhaut passt. Viele Patient:innen können danach im Alltag auf eine Brille bzw. Kontaktlinsen verzichten.


Allerdings ist eine Laserbehandlung nichts für jede:n. Eine gründliche Untersuchung beim Augenarzt gibt Aufschluss darüber, ob die nötigen Voraussetzungen, etwa in Bezug auf Gesundheitszustand und Erwartungshaltung, gegeben sind. Bevor man sich für einen solchen Eingriff entscheidet, sollten umfassende Informationen dazu eingeholt werden – zum Beispiel zu den Kosten, der Nachsorge und etwaigen Risiken.

FAQ – Häufige Fragen zur Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit (Myopie) ist eine Form der Fehlsichtigkeit, bei der Objekte in der Ferne verschwommen erscheinen, während Nahes gut erkennbar ist. Die Auswirkungen bemerkst du zum Beispiel beim Fernsehen, im Unterricht, wenn du Verkehrsschilder erkennen oder Hausnummern auf der anderen Straßenseite entziffern möchtest. Die Diagnose kann ein Augenarzt stellen. Ein Sehtest, den du zum Beispiel bei sehen!wutscher durchführen lassen kannst, gibt Aufschluss über die Stärke der Kurzsichtigkeit.

Kurzsichtigkeit (Myopie) ist eine Form der Fehlsichtigkeit, bei der Objekte in der Ferne verschwommen erscheinen, während Nahes gut erkennbar ist. Ursache ist ein Brennpunkt, der vor statt auf der Netzhaut liegt – meist durch einen zu langen Augapfel oder eine zu starke Brechkraft des Auges. Kurzsichtige sehen also auf kurze Distanz scharf, brauchen für klare Fernsicht jedoch eine Sehhilfe wie Brille oder Kontaktlinsen.

Die Stärke einer Kurzsichtigkeit wird in Dioptrien (Minuswerte) angegeben. Man spricht von einer leichten Myopie bei etwa –0,5 bis –3,00 dpt, von einer mittleren Myopie bei –3,25 bis –6,00 dpt. Ab Werten von stärker als –6,00 Dioptrien gilt eine Kurzsichtigkeit als hoch. In diesem Bereich steigt das Risiko für bestimmte Folgeerkrankungen, etwa Netzhautveränderungen oder ein erhöhtes Glaukom-Risiko.

Welche Brille für dich ideal ist, hängt von verschiedenen Faktoren wie deiner Dioptrienstärke, etwaigen zusätzlichen Fehlsichtigkeiten (z.B. Astigmatismus), deinem Alltag und deinen Wünschen ab. Einstärkenbrillen korrigieren vor allem das Sehen in der Ferne. Wenn zusätzlich eine Alterssichtigkeit hinzukommt, kann eine Gleitsichtbrille sinnvoll sein, mit der du auf alle Distanzen scharf siehst. Wichtig ist ein fachgerechter Sehtest und eine individuelle Beratung – zum Beispiel durch die Meisteroptiker:innen in einer sehen!wutscher-Filiale.

Wenn du den Eindruck hast, dass dein Kind in der Ferne schlecht sieht (z. B. beim Lesen der Tafel oder beim Fernsehen), solltest du eine:n Augenärzt:in aufsuchen. Neben der passenden Brille kann sogenanntes Myopie-Management sinnvoll sein: spezielle Kontaktlinsen oder Brillengläser und – unter bestimmten Voraussetzungen – niedrig dosierte Atropin-Tropfen. Eine Reduktion der Bildschirmzeit und mehr Aktivitäten bei Tageslicht im Freien sind ebenfalls empfehlenswert.

Genetische Faktoren lassen sich nicht beeinflussen, die Lebensweise schon. Studien zeigen: Viel Zeit im Freien und ausreichend Tageslicht können das Risiko für Kurzsichtigkeit und ihr Fortschreiten senken. Gleichzeitig sollten längere Phasen intensiver Naharbeit (Lesen, Tablet, Smartphone) immer wieder durch Pausen unterbrochen werden. Regelmäßige Sehtests bei Kindern sind ebenfalls wichtig, um eine beginnende Myopie frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.

Quellen

  • Padmaja Sankaridurg; Nina Tahhan; Himal Kandel; Thomas Naduvilath; Haidong Zou; Kevin D. Frick; Srinivas Marmamula; David S. Friedman; Ecosse Lamoureux; Jill Keeffe; Jeffrey J. Walline; Timothy R. Fricke; Vilas Kovai; Serge Resnikoff: IMI Impact of Myopia. Erschienen in: Investigative Ophthalmology & Visual Science, April 2021, Band 62, Heft 5, Artikel 2, online abgerufen am 15.12.2025.

  • Brien A. Holden; Timothy R. Fricke; David A. Wilson; Monica Jong; Kovin S. Naidoo; Padmaja Sankaridurg; Tien Y. Wong; Thomas J. Naduvilath; Serge Resnikoff: Global Prevalence of Myopia and High Myopia and Temporal Trends from 2000 through 2050. Erschienen in: Ophthalmology, Mai 2016, Band 123, Heft 5, Seiten 1036–1042, online abgerufen am 10.12.2025. 

  • Jinghong Liang; Yingqi Pu; Jiaqi Chen; Meiling Liu; Bowen Ouyang; Zhengge Jin; Wenxin Ge; Zhuowen Wu; Xiuzhi Yang; Chunsong Qin; Cong Wang; Shan Huang; Nan Jiang; Lixin Hu; Yushan Zhang; Zhaohuan Gui; Xueya Pu; Shaoyi Huang; Yajun Chen: Global prevalence, trend and projection of myopia in children and adolescents from 1990 to 2050: a comprehensive systematic review and meta-analysis. Erschienen in: British Journal of Ophthalmology, Februar 2025, Band 109, Heft 3, Seiten 362–371, online abgerufen am 15.12.2025. 

  • Annechien E. G. Haarman; Clair A. Enthoven; J. Willem L. Tideman; Milly S. Tedja; Virginie J. M. Verhoeven; Caroline C. W. Klaver: The Complications of Myopia: A Review and Meta-Analysis, erschienen in: Investigative Ophthalmology & Visual Science April 2020, Vol.61, 49, online abgerufen am 15.12.2025.

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